Sicherung des Standortes Ehrenbürgstraße 9 für Ateliers und Werkstätten

Antrag

Sicherung des Standortes Ehrenbürgstraße 9 für Ateliers und Werkstätten –
Erhalt und Öffnen des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers und der unter Denkmalschutz/Ensembleschutz stehenden Anlage

Der Stadtrat möge beschließen:

1. Die Stadtverwaltung nimmt mit der Grundstückseigentümerin Vivico Real Estate Kontakt auf, um zu eruieren welche Pläne diese mit dem Grundstück Ehrenbürgstraße 9 verfolgt.

2. Dem Stadtrat wird dargelegt, wie ein Erhalt der gewachsenen Strukturen auf dem Grundstück Ehrenbürgstraße 9 dauerhaft möglich ist.

3. Weiterhin wird dargelegt, wie der Erhalt und die Sanierung der teilweise unter Denkmalschutz und insgesamt unter Ensembleschutz stehenden Anlage erreichbar ist. Es wird dargelegt, wie die Geschichte des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers sichtbar gemacht werden kann.

4. In alle Überlegungen ist der dort tätige Verein „Freie Ateliers & Werkstätten e. V.“ einzubeziehen. Ziel soll nicht die Übernahme durch die Stadt München, sondern die eigenverantwortliche Nutzung des Trägervereins sein.

Begründung:

Das Ensemble Ehrenbürgstraße 9 stellt sowohl einen einmaligen Erinnerungsort als auch eine äußerst seltene Form gewachsenen bürgerschaftlichen Engagements für Künstler und Handwerker in enger Verbindung mit dem Stadtviertel dar.

Das ehemalige „Barackenlager Neuaubing“ wurde 1943 errichtet. Es beherbergte Zwangsarbeiter aus mehreren Ländern, die in den Dornierwerken an der Brunhamstraße und dem Reichsbahnausbesserungswerk Neuaubing zum Einsatz kamen. Zu Beginn der 80er Jahre begannen KünstlerInnen und Handwerker dort einzuziehen und es entstand die heute noch bestehende gemischte Nutzung. Weiterhin befindet sich dort der Kindergarten einer Elterninitiative („Die Ehrenbürger“). Das Gelände grenzt an die bestehende Kinder- und Jugendfarm Neuaubing.

Das Bauensemble ist seit seiner Errichtung im Wesentlichen unverändert. Es ist das letzte der über 400 Fremdarbeiterlager, die es in München gab. Eigentümerin des Grundstückes ist die Vivico Real Estate, die aus der Bundesbahn-Immobilienverwaltung hervorgegangen ist. Seit dem 30. 1. 2009 stehen die Gebäude unter Ensembleschutz, Bau V steht als besonders schutzwürdig in der Denkmalliste, die noch vorhandenen Splitterbunker sind als Bodendenkmäler eingetragen.

Es wäre also vordringliche Aufgabe der Vivico Real Estate, sich um den Erhalt und die Renovierung dieser Gebäude zu kümmern. Eine Inaugenscheinnahme zeigt allerdings, dass von Seiten der Vivco Real Estate keinerlei Erhaltungsinteresse besteht.

Es ist der ehrenamtliche Verdienst der vor Ort tätigen HandwerkerInnen und KünstlerInnen, dass die Gebäude erhalten und teilweise saniert sind. Weiterhin ist es der Verdienst der dort aktiven AubingerInnen, dass die Geschichte des Ortes bekannt wurde und verbreitet wird.

Die Landeshauptstadt München muss aus mindestens drei Gründen ein großes Interesse am Erhalt und der Sanierung dieses Ortes haben:

1. Die in München äußerst seltene und gelungene Strukturmischung von Handwerk, Kunst und bürgerschaftlichem Engagement muss erhalten bleiben und Unterstützung erfahren.

2. Es ist notwendig, das letzte Zwangsarbeiterlager in München zu erhalten und der Öffentlichkeit in geeigneter Weise zugänglich zu machen.

3. Dieses Grundstück wird sich, ebenso wie die angrenzend situierte Kinder- und Jugendfarm Neuaubing demnächst nicht mehr am Stadtrand befinden, sondern in der Grünfuge zwischen Aubing und Freiham – erhält also städtebaulich eine äußerst bedeutende Funktion für das Zusammenwachsen des alten und neuen Stadtteils. Hier ist eine funktionierende auch auf die Öffentlichkeit hin orientierte bürgerschaftliche, kulturelle und handwerkliche Nutzung äußerst wichtig.

Um den Erhalt zu gewährleisten, soll als erster Schritt von Seiten des Kommunalreferates mit der Vivico Real Estate über deren Zukunftspläne gesprochen werden. Hierbei ist auf die Verpflichtung der Vivico Real Estate zum Erhalt dieses historisch bedeutsamen Ensembles hinzuweisen. Dem Stadtrat ist über diese Gespräche zu berichten. Weiterhin soll dargelegt werden, ob es für die Stadt München machbar ist, das Grundstück zu kaufen und in Erbpacht an den Trägerverein weiterzugeben.

Die Verpflichtungen zum Erhalt und zur Sanierung und Teil-Öffentlichmachen des Ensembles würden abgegeben an den Trägerverein, wozu dieser auch bereit und in der Lage ist.

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen – rosa Liste
Initiative: Siegfried Benker, Boris Schwartz