Antrag
Das Gesundheitsreferat wird beauftragt, das bestehende Münchner Förderprogramm Arztpraxen insbesondere mit Blick auf Facharztpraxen wie die kinder- und jugendärztlichen Praxen weiterzuentwickeln. Dabei sollen insbesondere:
a. Neugründung, Übernahme, Verlagerung und Erweiterung von kinder- und jugendärztlichen Praxen erleichtert werden.
b. unterversorgte und stark wachsende Stadtteile prioritär berücksichtigt werden, insbesondere Trudering/Riem, Allach/Untermenzing, Feldmoching/Hasenbergl, Milbertshofen/Am Hart, Aubing/Lochhausen/Langwied und Ramersdorf/Perlach.
c. die Ansiedlung von Zweig- und Filialpraxen in diesen Stadtbezirken gezielt unterstützt werden.
d. Kooperationsmöglichkeiten mit der München Klinik und weiteren Trägern für gemeinschaftliche Versorgungsmodelle (z. B. telemedizinische Verbindungen zwischen Praxen und Kliniken oder Tandem Modelle) geprüft werden.
e. die Beteiligung der München Klinik an Nachbesetzungsverfahren für freiwerdende Kassensitze (z. B. im Rahmen von MVZ-Strukturen) in Betracht gezogen werden. Dies würde die Voraussetzung dafür schaffen, bestehende Versorgungsanteile zu sichern und potenziell gleichmäßiger in unterversorgte Stadtbezirke zu verlagern.
Die Verwaltung berichtet dem Stadtrat über die vorgeschlagenen Anpassungen und das weitere Vorgehen.
Begründung:
In mehreren Münchner Stadtbezirken – insbesondere Trudering/Riem, Allach/Untermenzing, Feldmoching/Hasenbergl, Milbertshofen/Am Hart, Aubing/Lochhausen/Langwied und Ramersdorf/Perlach – ist die kinderärztliche Versorgung bereits heute stark angespannt1.
Trotz der spürbaren Engpässe vor Ort gilt die Stadt München in der offiziellen Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) als rechnerisch überversorgt2. Dies hat zur Folge, dass für München derzeit keine zusätzlichen neuen Kassensitze genehmigt werden3. Eine Verbesserung der Versorgungssituation kann daher nur durch eine kluge Steuerung und die Mobilisierung bestehender Ressourcen erreicht werden.
Hierfür müssen alternative Versorgungsmodelle wie Tandempraxen, Telemedizin und die Stärkung von Filialstrukturen intensiv geprüft und gefördert werden. Das bestehende Münchner Förderprogramm Arztpraxen bietet hierfür die geeignete Grundlage. Da private Praxisnachfolgen in Gebieten mit hohen Mieten oder schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oft ausbleiben, sollte die München Klinik verstärkt als potenzielle Nachfolgerin für freiwerdende Sitze in Betracht gezogen werden. Nur durch eine aktive städtische Beteiligung am Nachbesetzungsverfahren können Arztsitze in unterversorgte Viertel gelenkt werden.
Eine zielgerichtete Weiterentwicklung mit Schwerpunkt auf der Kinder- und Jugendmedizin ist unumgänglich, um Familien in allen Stadtteilen eine verlässliche und wohnortnahe Versorgung zu garantieren.
| Fraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt |
| Initiative: Angelika Pilz-Strasser Clara Nitsche David Süß Judith Greif Sofie Langmeier Thomas Niederbühl Sebastian Weisenburger Mo Lüttig Lyn Faltin Mitglieder des Stadtrates |
1 https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-hausarzt-kinderarzt-verteilung-stadtviertel-1.5512486
2 https://www.kvb.de/fileadmin/kvb/Ueber-uns/Versorgungssituation/Versorgungsatlas/KVB-Versorgungsatlas-Kinder-und-Jugendaerzte.pdf
3 https://www.youtube.com/live/T_l4Wcv7LW0?si=wlC3F8abr_xxLxbs