München gut zu Fuß III – Fußgängerfreundliche Querungen für eine lebenswerte Stadt

Antrag

München gut zu Fuß III –
Fußgängerfreundliche Querungen für eine lebenswerte Stadt

Der Stadtrat möge beschließen:

1. Wenn an Kreuzungen Lichtsignalanlagen erforderlich sind, werden zukünftig an alle Zu- und Abfahrten Querungen für Fußgänger vorgesehen. Ausnahmen hiervon können nur vom Stadtrat genehmigt werden.

2. Neue zu errichtende Bedarfsampeln für Fußgänger, die durch Knopfdruck aktiviert werden müssen, und nicht Teil einer grünen Welle sind, schalten maximal binnen 5-10 Sekunden für Fußgänger auf grün. Dies gilt auch für den Austausch von Altgeräten.

3. Das Kreisverwaltungsreferat berichtet über die Modellversuche zum ausgeweiteten Einsatzbereich von Zebrastreifen in Berlin und Köln und überprüft inwiefern ein Abbau von Ampeln zugunsten von Zebrastreifen und eine Abkehr der restriktiven Haltung gegenüber Zebrastreifen in München möglich ist.

4. Die Landeshauptstadt München setzt in größerem Maße als bisher auf Mittelinseln als Querungshilfe.

5. Die Landeshauptstadt München setzt vermehrt auf flächenhafte Geschwindigkeitsdämpfung z.B. mit einem Verkehrsberuhigten Geschäftsbereich und mit Shared-Space-Lösungen.

6. Die Landeshauptstadt München intensiviert den Bau von Gehwegnasen/vorgezogenen Gehsteigen.
Begründung:

Neben Rad- und Öffentlichem Verkehr ist der Fußverkehr ein – häufig unterschätzter – Bestandteil stadtverträglicher Mobilität. Dabei legen die Münchnerinnen und Münchner 28 % ihrer Wege zu Fuß zurück. Das Zufußgehen ist die Form der Mobilität, die am wenigsten Menschen aufgrund von sozialen/finanziellen oder körperlichen Einschränkungen ausschließt. Nur eine fußgängerfreundliche Stadt ist wirklich eine kinderfreundliche Stadt und wird gleichzeitig dem demographischen Wandel mit der Zunahme von Seniorinnen und Senioren gerecht. Das Zufußgehen belebt die Stadt und ist auf kurzen Strecken geeignet überlastete öffentliche Verkehrsmittel zu entlasten. Im Wettbewerb der europäischen Metropolen nehmen attraktive öffentliche Räume und fußgängerfreundliche Verkehrsplanung einen zunehmend größeren Stellenwert ein. Kopenhagen, Zürich, Barcelona und London sind Vorreiter. Das Zufußgehen ist gesund. Eine halbe Stunde zügiges Gehen am Tag hält – wie das Radfahren – auch weniger Sportliche fit, unterstützt das Wohlbefinden und verlängert das Leben im Mittel um fünf Jahre.

Zu 1: Ein wesentliches Komfortmerkmal ist die Möglichkeit an vierarmigen Kreuzungen alle Zu- und Abfahrten queren zu können. Negativbeispiele sind hier z.B. die Kreuzungen am Kapuzinerplatz und die Kreuzung Lindwurm-/Pocci-/ Ruppertstraße. Hier müssen die Fußgänger häufig drei Straßen queren, bevor sie zum Ziel kommen (z.B. am Kapuzinerplatz vom Arbeitsamt zur Bushaltestelle) und müssen entsprechende Zeitverluste infolge der Wartezeiten hinnehmen. In einigen Fällen werden die hoch belasteten Straßen unter Inkaufnahme der Sicherheitsrisiken auch ungesichert gequert. Insbesondere bei Kreuzungen innerhalb des Mittleren Rings mit großen Fußgängerströmen sollte die Leistungsfähigkeit für den Kfz-Verkehr gegenüber der Sicherheit für den Fußverkehr zurückstehen. Zudem eröffnen sich angesichts des Rückgangs des Kfz-Verkehrs innerhalb des Mittleren Rings neue Spielräume für mehr Komfort für Fußgängerinnen und Fußgänger.

Zu 2: An vielen Bedarfsampeln, die sich auf Knopfdruck einschalten, werden den Fußgängern lange Wartezeiten zugemutet. Es gibt aber auch Beispiele, die in sehr kurzer Zeit dem Fußgänger grün geben. Diese finden auch eine weitaus höhere Akzeptanz.

Zu 3: Der Zebrastreifen ist der rote Teppich für den Fußgänger mit Vorteilen für ihn und den Kfz-Lenker. Beide Seiten haben geringere Wartezeiten. Der Zebrastreifen kommt dem Gedanken von Shared Space entgegen, der den einzelnen Verkehrsteilnehmern mehr Verantwortung überlässt. Mehrere Untersuchungen zeigen, dass Zebrastreifen, wenn sie übersichtlich, gut gestaltet und beleuchtet sind und ggf. mit einer Mittelinsel kombiniert werden, nicht weniger sicher sind, als Fußgängerampeln. Auch Kindern ist es leichter zu vermitteln, dass sie am Zebrastreifen ein Zeichen geben sollen, als dass sie eine Minute an einer roten Ampel warten sollen, bei der kein Kfz vorbeikommt. In der Bundesrepublik Deutschland wurden die ersten zwölf Zebrastreifen in der Stadt München am 8. Juli 1952 angelegt, obwohl sie erst 1953 in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen wurden. Mit seiner eher restriktiven Haltung wird das Kreisverwaltungsreferat diesem Erbe kaum gerecht, während andere Städte bereits die Renaissance des Zebrastreifens einläuten. So hat Berlin seit dem Jahr 2001 200 neue Zebrastreifen errichtet. Köln möchte mit dem Abbau von Ampeln Kosten sparen und die Ampeln durch Zebrastreifen ersetzen. 300 Ampeln sollen abgebaut werden, 80 sind umgesetzt. Die Erfahrungen sind positiv. Beide Städte haben die restriktiven Einsatzgrenzen erweitert. Berlin hat als Bundesland hier die Möglichkeit, die starren Bundesvorgaben auszuweiten. Köln hat sein Vorgehen als Pilotprojekt deklariert. Ein Bericht über die Erfahrungen in diesen beiden Städten ist für den Stadtrat interessant. Vielleicht kann auch in München nach Wegen gesucht werden, eine Renaissance des Zebrastreifens einzuleiten.

Zu 4: Mittelinseln erleichtern die Querung, weil zunächst die eine und dann die andere Fahrtrichtung gequert werden kann. Davon profitieren in besonderen Maße alle schwächeren Verkehrsteilnehmer. Außerdem sind Mittelinseln ein gutes Mittel um überhöhte Geschwindigkeiten zu reduzieren.

Zu 5: Geschwindigkeitsreduzierungen im Kfz-Verkehr in Tempo-30-Zonen und in einem verkehrsberuhigtem Geschäftsbereich erleichtern flächenhaft die Querung, weil die Geschwindigkeiten besser eingeschätzt werden können.

Zu 6: Vorgezogene Gehsteige verkürzen die Querungswege und sind in der Regel nicht um die Ecke verparkt. Sie erleichtern nicht nur ganz entschieden mobilitätseingeschränkten Personen die Querung, sondern erhöhen den Komfort für alle Fußgänger.

Fraktion Die Grünen – rosa liste
Initiative:
Paul Bickelbacher
Sabine Nallinger
Mitglieder im Stadtrat