Die Grünen/Rosa Liste/Volt fordern mit einem umfangreichen Antragspaket nachhaltige Verbesserungen für Münchens Nahverkehr: mit einem Write&Ride-Fahrschein, einem sozialen Deutschlandticket, neuen S-Bahnlinien ohne Neubaustrecken und einer Nachverkehrsumlage nach Wiener Vorbild. Denn München braucht einen leistungsfähigen ÖPNV, der solide finanziert ist und den alle nutzen können.
Bequem unterwegs: dank Write&Ride
Digitale Fahrscheine sind bequem, sparen Papier – und nebenbei Geld. Doch für all diejenigen, die kein Smartphone besitzen, braucht es weiterhin eine analoge Alternative. Und die muss für Fahrgäste einfach und benutzer*innenfreundlich sein. Hier greift die Idee eines Write&Ride-Tickets. Das System kennt man von der Deutschen Post: Briefmarken können online gekauft werden, statt der klassischen Marke erhält man eine Zahlenkombination, die auf den Umschlag geschrieben wird. Die MVG soll ein vergleichbares System für ihre Fahrscheine entwickeln. Die Vorteile liegen auf der Hand: Eltern, die ihre Kinder mit U-Bahn, Bus und Tram losschicken, können online ein Ticket kaufen, den Code auf einen Zettel schreiben und ihrem Nachwuchs in die Hand drücken. Enkel erwerben für ihre Großeltern digital ein Briefmarken-Ticket und geben die Zahlenkombination einfach am Telefon durch. Oder Fahrgäste bekommen ihre Zahlencode für Write&Ride einfach am Kiosk. Bei einer Kontrolle wird die Zahlenkombination überprüft.
Teilhabe ermöglichen: mit dem Deutschlandticket Sozial
Außerdem soll München ein Deutschlandticket Sozial einführen. Bislang wird für Geringverdiener im MVV das Monatsticket S angeboten. Dieses ist allerdings nur im MVV-Bereich gültig und kann zu den Stoßzeiten (6 bis 9 Uhr wochentags) nicht genutzt werden. Ein Deutschlandticket Sozial, das in den MVV-Tarif integriert wird, könnte für einen Preis von 43 Euro eingeführt und sperrzeitenfrei sein. Außerdem sollen eigene Kinder mitgenommen werden können. So soll es auch Menschen mit wenig Geld ermöglicht werden, Familie und Freunde außerhalb der Stadt zu besuchen oder einen Ausflug ins Umland zu machen. Die Ruhrbahn oder Städte wie Heidelberg und Tübingen bieten bereits ein Deutschlandticket S an[1].
Vorfahrt für Bus und Tram
Münchner*innen wollen in Bus und Tram nicht im Stau stehen. Deswegen braucht es eine grüne Welle für Öffis dank smarter Ampeltechnik und mehr Busspuren. Die reformierte Straßenverkehrsordnung gibt Kommunen hier mehr Möglichkeiten, die München unbedingt nutzen muss. Manchmal genügt ein minimaler Umbau, damit der Bus zügig vorankommt. Darüber hinaus fordert die Fraktion ein Maßnahmenprogramm für freie Kreuzungen. Viel zu oft blockieren Autos, die zu spät in eine Kreuzung eingefahren sind, den Verkehr für alle anderen und sorgen für Stau und Frust. Aufklärungsprogramme für PKW-, aber auch Busfahrer*innen können dahingehend sensibilisieren, gepaart mit Schwerpunktkontrollen und Blitzern im Kreuzungsbereich.
U-Bahn stärken – U9-Optimierung prüfen
München braucht die U9, um das U-Bahnnetz in der Innenstadt spürbar zu entlasten. Allerdings ist derzeit unklar, welche Fördergelder von Bund und Freistaat für diese wichtige U-Bahnlinie zur Verfügung stehen. Deswegen will die Fraktion prüfen lassen, ob sich die Planungen optimieren und abschnittsweise umsetzen lassen. So könnte zunächst nur der Abschnitt zwischen Theresienstraße über den Hauptbahnhof bis zu Implerstraße umgesetzt werden. Auch der Halt am Esperantoplatz und der komplette Bahnhofsneubau zwischen Pocci- und Implerstraße könnten nochmals überdacht werden.
Außerdem muss die Barrierefreiheit an bereits bestehenden U-Bahnhöfen verbessert werden. Am Michaelibad sollen die bereits erarbeiteten Pläne für Aufzüge sofort umgesetzt, für weitere Stationen (Karl-Preis-Platz, Therese-Giehse-Allee und Obersendling) ein Finanzierungsvorschlag erarbeitet werden.
ÖPNV solide finanzieren: Nahverkehrsumlage einführen
Ein guter ÖPNV braucht eine solide Finanzierung. Die Kosten steigen stets, gleichzeitig stagnieren Ticketeinnahmen. Deshalb fordert die Fraktion eine angemessene ÖV-Finanzierung von Bund und Freistaat. Darüber hinaus braucht die Stadt selbst Finanzierungsinstrumente, mit denen sie sicherstellen kann, dass U-Bahn, Bus und Tram auch in Zukunft leistungsfähig bleiben. Wien zeigt, wie das gelingen kann: durch eine Nahverkehrsumlage. In der österreichischen Hauptstadt finanzieren Arbeitgeber*innen den ÖPNV dadurch mit. Für diesen Ansatz will die Fraktion die Münchner Großunternehmen gewinnen. Das ist auch sinnvoll, denn Studien zeigen, dass jeder Euro, der in Öffis investiert wird, einen volkswirtschaftlichen Nutzen von drei Euro generiert[2]. Ein starker ÖPNV und ein starker Wirtschaftsstandort gehen Hand in Hand.
S-Bahn fit machen: sauberer und mit neuen Querverbindungen
Ein ständiges Ärgernis für die Münchner*innen ist das S-Bahnnetz. Hier sind die Bahn und Freistaat am Zug. Bis zur Inbetriebnahme der zweiten S-Bahn-Stammstrecken vergeht voraussichtlich noch ein Jahrzehnt, die Menschen in München und in den Nachbarlandkreisen können aber nicht bis Mitte oder Ende der 2030er Jahre warten, bis sie zuverlässig die S-Bahn nutzen können. Deshalb fordert die Fraktion Freistaat und Bahn auf, schrittweise das Netz zu optimieren. Die seit Jahren versprochene Sendlinger Spange muss bald in Betrieb gehen, einschließlich der Anbindung am Harras. So ist eine neue S37 von Holzkirchen bis Maisach möglich. Sie würde auch an einem neu zu bauenden S-Bahnhof Menterschwaige halten. Eine neue S30 könnte vom Leuchtenbergring auf dem Südring via Poccistraße und Pasing ebenfalls weiter in den Westen verkehren. Im Norden ist über den Nordring eine S26 von Röhrmoos bis zur Studentenstadt denkbar. Im Münchner Osten könnten bestehende S-Bahngleise für eine Linie S23 genutzt werden, die von Deisenhofen ohne Umweg über die City nach Markt Schwaben fährt.
Dringend notwendig und noch deutlich schneller umsetzbar wäre mehr Sauberkeit an den Stationen – hier schneidet die Region München besonders schlecht ab[3].
Dominik Krause, 2. Bürgermeister: „Der Nahverkehr ist das Rückgrat der Verkehrswende in München. Wir wollen das Angebot ausbauen und attraktiver machen: durch Digitalisierung, bessere Verbindungen, mehr Sauberkeit sowie Tickets, die für alle bezahlbar sind. München wächst, der Druck auf U-Bahn, Bus und Tram nimmt spürbar zu. Wir müssen deshalb in unseren Nahverkehr investieren, um Mobilität für alle zu gewährleisten. Gleichzeitig ist der Freistaat in der Pflicht, endlich seiner Verantwortung für die anfällige S-Bahn gerecht zu werden. Nur den Bestand zu verwalten ist zu wenig, ,passt schon‘ reicht einfach nicht. Münchens ÖPNV ist gut, muss aber besser werden. Mit diesem Antragspaket gehen wir nun einen ersten Schritt.“
[1] https://www.ruhrbahn.de/essen/tickets/ticket/deutschlandticketsozial; https://www.mannheimer-morgen.de/metropolregion_artikel,-metropolregion-studie-heidelberg-hat-eines-der-guenstigsten-deutschlandtickets-sozial-_arid,2295983.html?&npg
[2] MCube der TU München: „Wertschöpfung ÖPNV“: https://mcube-cluster.de/wp-content/uploads/2025/05/FINAL-MCube_WertschoepfungOePNV_Abschlussbericht_MobileVersion.pdf
[3] Bei einer Umfrage der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zu dem Thema schnitten die Münchner S-Bahnhöfe besonders schlecht ab. https://beg.bahnland-bayern.de/de/pressemitteilungen/BEG-veroeffentlicht-erstmals-Ranking-zur-Stationsqualitaet-im-Bahnland-Bayern