Pressemitteilung | 10.02.2026

Mietwucher-Melder gegen überteuerte Mieten – und 10.000 neue Wohnungen durch einfachen Umbau

München braucht effektive Mittel gegen überteuerte Mieten: Die Grünen/Rosa Liste/Volt fordern einen automatischen Mietwucher-Scan für Immo-Portale und eine Mietwucherstelle. Außerdem müssen möblierte Wohnungen wieder die Ausnahme werden.

20 Quadratmeter für 1.300 Euro kalt – direkt am Mittleren Ring. Eine 90 Quadratmeter Familienwohnung für 2.700 Euro – ohne Nebenkosten. Wer die gängigen Immo-Portale besucht, findet derartige Angebote zuhauf. Das sind Wohnangebote, die teilweise weit mehr als das Doppelte kosten, als es nach der Mietpreisbremse erlaubt ist. Mangels Alternativen unterschreiben viele Wohnungsuchende den Mietvertrag trotzdem zähneknirschend.

Dieser Zustand ist untragbar. Und die Wut auf Wuchermieten wächst, wie es die Mietendemo am Wochenende gezeigt hat. Die Stadt muss ihre rechtlichen Möglichkeiten besser ausschöpfen. Deswegen braucht es ein digitales Tool, das automatisch die gängigen Immo-Angebotsplattformen scannt. Vermieter*innen, die dort ein überteuertes Angebot eingestellt haben, sollen automatisch darauf hingewiesen werden, dass ihr Angebot gegen die Mietpreisbremse verstößt. Wenn es sich klar um ein Mietwucher-Angebot handelt, soll die Stadt auch rechtliche Schritte in Erwägung ziehen können.

Der digitale Ansatz reicht aber nicht. Darüber hinaus braucht es eine Mietwucher-Stelle, an die sich Mieter*innen wenden können, wenn sie das Gefühl haben, zu viel für ihre Wohnung zu bezahlen. In Frankfurt gibt es das bereits[1]. Diese Beratungsstelle prüft Hinweise von Mietenden, geht mit Vermieter*innen ins Gespräch und kann auch Bußgelder verhängen. Für Mieter*innen entstehen keine Kosten.

In München gilt die Mietpreisbremse, Mietpreisüberhöhung ist eine Ordnungswidrigkeit, Mietwucher sogar eine Straftat. Diese Instrumente existieren – doch ohne aktive Meldungen, Beratung und behördliche Verfolgung bleiben sie für viele Betroffene leider nur Theorie. Forscherinnen der TU und der LMU haben 10.000 Mieter*innen befragt, nur 2,4 Prozent haben von der Mietpreisbremse Gebrauch gemacht[2]. Mieter*innen scheuen den Konflikt mit ihren Vermieter*innen, denn die Sorge, das eigene Zuhause zu verlieren, ist zu groß. Deswegen liegt es an der Stadt, Münchens Mieter*innen noch besser zu schützen und zu unterstützen.

Überhandgenommen haben zuletzt Angebote für möbliertes Wohnen. Rund ein Drittel der inserierten Wohnungen sind inzwischen nur möbliert (und teilweise sogar nur auf Zeit) zu haben[3] – und damit meist entsprechend teuer. Einige Berliner Bezirke, zum Beispiel Friedrichshain-Kreuzberg[4], haben das in sogenannten Erhaltungssatzungsgebieten[5] inzwischen unterbunden. Die Grünen/Rosa Liste/Volt fordern: Das muss auch in München umgesetzt werden!

Neben besserem Schutz vor überteuerten Mieten ist es zudem wichtig, bestehenden Wohnraum besser zu verteilen. Knapp die Hälfte der Gebäude in München sind Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften oder Reihenhäuser[6]. Auch in München gibt es also Menschen, die allein auf recht vielen Quadratmetern wohnen. Dass sie nicht ausziehen wollen, ist verständlich, sind sie doch im Viertel verwurzelt und mit ihrem Heim verbunden. Oft könnte durch Umbauten aber separate neue Wohnungen entstehen – schätzungsweise sogar bis zu 10.000. Dieses Potenzial muss genutzt werden! Deswegen muss die Stadt durch Beratungsangebote Anreize schaffen, dass Menschen mit passenden Immobilien diesen Schritt auch gehen wollen.

Dominik Krause, 2. Bürgermeister: „Die Mietendemo am Wochenende hat gezeigt: Den Münchner*innen reicht es, sie wollen endlich ein Ende der Preisspirale beim Wohnen. Die Stadt muss deshalb die rechtlichen Spielräume, die ihr zur Verfügung stehen, ausreizen, um zu verhindern, dass die Not von Wohnungssuchenden ausgenutzt wird. Es gibt in München viele anständige Vermieter*innen. Aber auch immer mehr schwarze Schafe. Es ist Zeit, dass München noch stärker als bisher gegen Mietwucher vorgeht.“


[1] https://frankfurt.de/themen/planen-bauen-und-wohnen/wohnen/mietrechtliche-beratung/mietpreisueberhoehung

[2] https://www.asg.ed.tum.de/bole/startseite/article/mietpreisbremse-bremst-nicht-interview-mit-felicitas-sommer/

[3] https://www.kielinstitut.de/de/publikationen/aktuelles/greix-mietpreisindex-q4-2025-so-viele-befristete-und-moeblierte-angebote-wie-noch-nie/

[4] https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/2025/pressemitteilung.1538458.php

[5] Erhaltungssatzungen werden erlassen, um gewachsene Bevölkerungsstrukturen zu schützen. In der Landeshauptstadt gibt es insgesamt 36 Erhaltungssatzungen. Sie umfassen 204.000 Wohnungen, in denen rund 339.000 Einwohner*innen leben.

[6] https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/platzmangel-in-bayern-und-gebaeudehoehen-muss-wohnen-hoeher-gedacht-werden,UKrqs8f