Drug-Checking rettet Leben. Doch die Söder-Regierung sperrt sich. Es ist eine Verweigerungshaltung, die für manche den Tod bedeutet. Die Fraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt fordert den Freistaat auf, sich endlich zu bewegen und München ein Modellprojekt zu erlauben.
München hat ein Drogenproblem. Und es tötet. In der Landeshauptstadt sterben jedes Jahr überdurchschnittlich viele Menschen an den Folgen des Betäubungsmittelkonsums. Im vergangenen Jahr waren es 46 Opfer. Das ist deutlich mehr als etwa in Frankfurt, wo sich die Zahl der Drogentoten in den vergangenen Jahren stabil zwischen 20 und 40 bewegt. Die restriktive Drogenpolitik der Staatsregierung trägt daran eine Mitschuld. Denn sie blockiert sowohl Drogenkonsumräume als auch Drug-Checking-Projekte.
Dabei hat der Bundestag Drug-Checking im Juni 2023 erlaubt[1]. Drug-Checking bedeutet, dass Drogen auf Verunreinigungen und gefährliche Substanzen getestet werden. Denn oft führen diese zu schlimmen Nebenwirkungen und in drastischen Fällen zum Tod.
Die Umsetzung obliegt den Bundesländern. Und hier ist das Problem: Der Freistaat will nicht. Dabei zeigen Projekte in Zürich, Graz und Berlin, dass Drug-Checking Konsument*innen schützt. Die Grünen/Rosa Liste/Volt wollen erreichen, dass der Freistaat der Stadt ein kommunales Drug-Checking-Modellprojekt erlaubt. Außerdem sollen Gesundheitsreferat, die städtischen Fachstellen und Suchthilfe-Träger gemeinsam ein Konzept erarbeiten, wie ein dauerhaftes Drug-Checking-Angebot in München umgesetzt werden könnte.
In Berlin läuft seit zwei Jahren ein Modellversuch, den der Senat erst kürzlich evaluiert hat[2]. 530 Personen haben 1120 Substanzen zum Testen abgegeben. Und die Ergebnisse verdeutlichen, warum Drug-Checking wichtig ist: Denn 53,7 Prozent der Proben enthielten nicht den erwarteten Wirkstoff, sondern es waren weitere, auch potenziell gefährliche Substanzen beigemischt. Die Befragung in Berlin ergab zudem: Personen, deren getestete Drogen verunreinigt waren, verzichteten fünfmal häufiger auf den Konsum. Andere passten die Dosierung an, wenn ihnen mitgeteilt wurde, dass die Wirkstoffkonzentration höher ausfiel als erwartet.
Ein weiterer Aspekt: Drug-Checking geht immer mit einer Beratung einher. Dadurch kommen Menschen mit der Suchtberatung in Kontakt, die diese sonst nie aufsuchen würden. Beispiel Berlin: 73 Prozent der Teilnehmer*innen des Modellprojekts hatten zuvor noch nie mit einer Suchtberater*in gesprochen.
Angelika Pilz-Strasser, gesundheitspolitische Sprecherin Die Grünen/Rosa Liste/Volt: „Manche Menschen nehmen Drogen, damit müssen wir umgehen. Das Beispiel Berlin zeigt, dass Drug-Checking Leben rettet. Es macht den Konsum sicherer und wir erreichen so auch diejenigen, die niemals zu einer klassischen Suchtberatung gehen würden.“
David Süß, gesundheitspolitischer Sprecher Die Grünen/Rosa Liste/Volt: „Auf dem Schwarzmarkt gibt es keine Kontrolle, Drogen werden mit gefährlichen Substanzen gestreckt. Für Konsument*innen bedeutet das manchmal sogar den Tod. Vor allem schwer suchtkranke Menschen könnten durch Drug-Checking effektiv geschützt werden. Die Söder-Regierung muss ihre Blockadehaltung endlich aufgeben!“
[1] https://www.bundesdrogenbeauftragter.de/presse/detail/drug-checking-im-bundestag-beschlossen/
[2] https://www.berlin.de/sen/wgp/presse/2025/pressemitteilung.1532047.php