Antrag
Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept für einen nichtkommerziellen städtischen Musik-Club zu erarbeiten und dem Stadtrat baldmöglichst zur Entscheidung vorzulegen. Dabei sind Vertreter*innen der Musik-Kollektiv-Szene, Akteur*innen der Nacht- und Clubkultur sowie städtische Fachstellen und Institutionen – wie die Fachstelle Moderation der Nacht (MoNa), die Fachstelle Pop und das Jugendkulturwerk – einzubeziehen.
Im Konzept sollen insbesondere folgende Eckpunkte dargestellt werden:
- Trägerschaft und Verantwortlichkeiten
- Finanzierungsmöglichkeiten
- Prüfung potenzieller Standorte wie dem ehemaligen Ratskeller, der alten Bananenreiferei und dem Maximiliansforum
- Formen der Mitgestaltung und Mitentscheidung durch Nutzer*innen
- Maßnahmen zur Sicherstellung von Vielfalt von Programm und Nutzer*innen
- Vorschläge für schnell realisierbare Interimslösungen
Begründung:
München verfügt über eine lebendige Szene von Musik-Kollektiven, die überwiegend in offenen Zusammenschlüssen organisiert sind. Bei „Mehr Lärm für München“ treten viele von ihnen und ihre Unterstützer*innen einmal im Jahr sehr eindrucksvoll für ihre Interessen ein.
Eine zentrale Forderung der Szene ist seit Jahren die Bereitstellung von Flächen und Räumen, die für Musikveranstaltungen genutzt werden können.
Bislang müssen Kollektive häufig auf nicht angemeldete Partys im öffentlichen Raum oder auf leerstehende Immobilien ausweichen. Das ist mit erheblichen Risiken verbunden: Es drohen Bußgelder, und in Leerständen sind sicherheitsrelevante Voraussetzungen – wie funktionierende Fluchtwege – oft nicht gewährleistet.
2023 startete der Stadtrat das Pilotprojekt MUCs – Munich Urban Celebrations, das nichtkommerzielle Jugendpartys im öffentlichen Raum über ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren ermöglicht. Eine Verstetigung ist in der Szene gewünscht.
Die Erfahrungen daraus zeigen allerdings auch:
- In der dicht bebauten Stadt ist es äußerst schwierig, geeignete Orte für Veranstaltungen zu finden. Für Partys während der Nachtruhe konnte bisher nur ein einziger Platz ausgewiesen werden.
- Der organisatorische Aufwand sowie Kosten für Technik und Infrastruktur können von vielen ehrenamtlichen Veranstalter*innen nicht getragen werden.
- Die Abhängigkeit vom Wetter führt zu großer Unsicherheit; zudem eignen sich MUCs nur für die Sommermonate.
Auch kommerzielle Clubs stehen unter Kostendruck, Mietforderungen bei Fremdveranstaltungen sind hoch und für nichtkommerzielle Partys von Kollektiven kaum finanzierbar. Mit diesen Clubs wird es einen Austausch und Überschneidungen geben, ein Wettbewerb soll ausgeschlossen werden.
Die Bedeutung der Kollektive und ihrer Aktivitäten für München wird auch in der städtischen Studie zu den Musikspielstätten hervorgehoben[1]. Ein eigenes Handlungsfeld widmet sich der „Neugründung und Stärkung von Kollektiven“.
Ein städtischer Club soll eine grundlegende, bezahlbare musikalische Infrastruktur bereitstellen, die von Kollektiven und weiteren Gruppen unkompliziert und günstig genutzt werden kann.
Vorgesehen ist, dass dort sowohl Veranstaltungen für Jugendliche von 13 bis 17 Jahren stattfinden können als auch Partys für Menschen ab 18. Als Vorbilder dienen u. a. das „Youth Clubbing“ im Jugendkulturzentrum Explosiv in Graz oder – für ältere Zielgruppen – das „Minus One“ in Gent.
Für Projekte der Suchtprävention und Beratung sollen Fachstellen wie „Mind Zone“, Condrobs Chexx oder Prop e.V. eingebunden und bei Veranstaltungen vor Ort sein.
Erwartet wird zudem ein umfassendes „Safer Space“-Konzept, das diskriminierungsfreies und gleichberechtigtes Feiern für Gäste, Personal und Künstler*innen sicherstellt. Ein entsprechendes Awareness-Konzept ist vorzusehen und auf Grundlage von vorhandenen Erfahrungen und Wissen zu Awareness-Arbeit bei MoNa kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Als mögliche Standorte sollen u.a. der ehemalige Ratskeller, die alte Bananenreiferei an der Thalkirchner Straße oder das Maximiliansforum geprüft werden. Da die Umsetzung und Bereitstellung geeigneter Räume Zeit benötigt, die Raumnot der Kollektive akut bleibt, sind im Konzept parallel Interimslösungen darzustellen.
| Fraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt |
| Initiative: David Süß Mona Fuchs Mo Lüttig Thomas Niederbühl Angelika Pilz-Strasser Dr. Florian Roth Christian Smolka Lyn Faltin Clara Nitsche Florian Schönemann Mitglieder des Stadtrates |
[1] https://creativetide.de/pdf/Studie_Muenchner_Musikspielstaetten_2024.pdf