Frauen in München müssen auch in Zukunft einen sicheren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen haben. Deshalb fordert die Fraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt ein neues, umfassendes Versorgungskonzept: Die München Klinik soll an allen Standorten mit Gynäkologie und Geburtshilfe Abbrüche durchführen können. Außerdem braucht es zusätzliche freiwillige Schulungen für Ärzt*innen.
Der Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen wird auch in einer Großstadt wie München in den kommenden Jahren deutlich erschwert. Laut Gesundheitsreferat gibt es in München 37 Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen können. Mehr als die Hälfte waren 2022 bereits älter als 60 Jahre, neun davon über 70. Das geht aus einer damaligen Erhebung des Referats hervor[1].
Schon vor vier Jahren sorgten sich die befragten Ärzt*innen um die Zukunft: Mehr als 70 Prozent von ihnen schätzten die Versorgungssituation in den kommenden fünf bis zehn Jahren als schlecht oder eher schlecht ein. Das liegt daran, dass viele Ärzt*innen, die derzeit Abbrüche durchführen, bald in Rente gehen werden – und keine Nachfolge finden. Das trifft auch auf Bayerns wohl bekannteste Abtreibungspraxis von Friedrich Stapf zu, der nach eigenen Angaben ein Drittel aller Schwangerschaftsabbrüche in Bayern durchführt.
2022 wurden nach Angaben des Gesundheitsreferats 5.990 der insgesamt bayernweit 11.579 registrierten Abbrüche in einer Münchner Praxis oder Klinik durchgeführt. Also mehr als die Hälfte. Verschlechtert sich die Versorgung in der Landeshauptstadt, hat das also nicht nur für Münchens Bürgerinnen, sondern für den gesamten Freistaat negative Konsequenzen.
Deswegen braucht es jetzt eine Strategie für die Zukunft. Diese soll das Gesundheitsreferat zusammen mit Expert*innen entwickeln, darunter etwa die anerkannten Träger der Schwangerschaftskonfliktberatung, die München Klinik, Doctors for Choice und der Hausärzteverband. In der München Klinik werden derzeit nur Abbrüche durchgeführt, die medizinisch notwendig sind. Frauen, die aus persönlichen Gründen keine Schwangerschaft wünschen, werden hier nicht betreut. Das zu ändern, wäre vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Versorgungslage angezeigt. So soll geprüft werden, ob an allen Standorten der München Klinik mit Gynäkologie und Geburtshilfe chirurgische Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden können. Darüber hinaus sollen Gynäkolog*innen an den städtischen Krankenhäusern auch die Betreuung der Patientinnen für medikamentöse Abbrüche übernehmen dürfen.
Wichtig ist zudem, dass Ärzt*innen sich weiterbilden können, nicht nur, was die Durchführung von Abbrüchen angeht, sondern auch, was den psychosozialen Aspekt betrifft. Für betroffene Frauen ist ein Abbruch eine belastende Ausnahmesituation, mit der sensibel umgegangen werden muss.
Judith Greif, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt: „Mein Körper, meine Entscheidung: Das ist der Kern weiblicher Selbstbestimmung. Doch viele Ärzt*innen, die sichere Abbrüche durchführen können, werden in den kommenden Jahren in Rente gehen. Das gefährdet die Versorgungssicherheit in ganz Bayern. Diese Versorgungslücke dürfen wir nicht zulassen. Deswegen brauchen wir schon heute ein Konzept, das Frauengesundheit auch morgen noch sicherstellt!“
[1] https://risi.muenchen.de/risi/sitzungsvorlage/detail/6839125