Hackenplatz

Antrag | 03.02.2026

Attraktive Altstadt für alle 3: der „Hackenplatz“ zum „Heinrich-Heine-Platz“ aufwerten

Antrag         

Der sogenannte „Hackenplatz“ zwischen Brunnstraße und Hackenstraße wird aufgewertet. Er soll stellvertretend für alle Dichter*innen im Exil, dem Schriftsteller Heinrich-Heine gewidmet und dementsprechend gestaltet werden.

Dies geschieht im Zusammenhang mit der Verkehrsberuhigung der Hackenstraße (siehe Antrag Attraktive Altstadt für alle 2); Ideen des örtlichen Bezirksausschusses und der Bevölkerung werden einbezogen. Das Kulturreferat erstellt ein Konzept, wie Exildichtung auf dem Platz im öffentlichen Raum präsent sein kann.

Begründung:

Mit Beschluss zur Altstadt für alle wurden grundlegende Weichenstellungen für den weiteren Prozess einer Verkehrsberuhigung, einer weiteren Belebung und der dringend notwendigen Klimaanpassung unserer Altstadt vorgenommen.

Als ersten Schritt nimmt das Mobilitätsreferat das Graggenauviertel in den Blick. Für das Hackenviertel sind neben den Entwicklungen rund um den Georg-Kronawitter-Platz, den Färbergraben und der Fürstenfelder Straße, die Neuregelungen in der Hackenstraße besonders wichtig. Der angrenzende Hackenplatz war schon Ort diverser Ideen und Aktionen zur fußgängergerechten Umgestaltung. Beispielsweise hat Green City hier zwischen 3. und 10. September 2023 eine temporäre Intervention gemeinsam mit den Anwohnenden gestartet, die in der „Brunnennacht“ am 8. September ihren Höhepunkt fand, bei der Austausch und Begegnung im Mittelpunkt standen und (Straßen-)Kunst wie Seifenblasenzauber, Tangoperformances, Lichtshows und Feuershows die Möglichkeiten und Chancen einer Aufwertung des Platzes offensichtlich machten. (https://www.greencity.de/projekt/hackenplatz-ein-angebot-vor-deiner-tuer/).

Ebenso wurde schon in der Broschüre Freiraumquartierskonzept Innenstadt des Planungs­referats vom Dezember 2021 das Projekt „Neugestaltung ‚Hackenplatz‘ … an der Brunn­straße in Verbindung mit dem Fußgängerbereich Hackenstraße und Herrmann-Sack-Straße“ mit „Integration grüner Infrastruktur“ formuliert.

Im oben genannten Grundsatzbeschluss zur Altstadt für alle wurden der Werkzeugkasten zur Verkehrsberuhigung in der Altstadt dargestellt: Stadtstraßen mit Tempo 30, Altstadtzonen mit Tempo 20, frei nur für Anlieger*innen, Anlieferung etc. und Fußgängerzonen. Voraussichtlich kommt für den Hackenplatz eine Stadtstraße in Betracht, die in ihrer Funktion die Zuwegung zu Parkhäusern zu gewährleisten hat. Hier insbesondere für die Parkhäuser am Altheimer Eck und am Georg-Kronawitter-Platz, von denen die Autos über die Hotter- und Hackenstraße zur Sonnenstraße zurückkehren.

Der Hackenplatz kann dennoch mehr sein als eine Straße und auch mehr als ein normaler Platz. Eine Idee wäre, den Platz den Dichter*innen im Exil zu widmen und dementsprechend zu gestalten.

Als „Heinrich-Heine-Platz“ soll der Ort zu einem Platz in der Münchner Altstadt werden, der der Exillyrik gewidmet ist (nicht mit adressbildender Wirkung). Vorstellbar ist eine Gestaltung des Platzes analog zur Calle Huertas in Madrid, mit in den Boden eingelassenen Zitaten von Dichter*innen. Lyrikerinnen und ihre Werke sollen dabei mindestens ebenso viel Sichtbarkeit und Präsenz haben wie Lyriker. Zudem gilt es zu prüfen, inwiefern der Platz, an dem auch das einstige Münchner Wohnhaus des späteren Exildichters Heinrich Heine liegt (darauf weist eine Gedenktafel hin), auch für kulturellen Austausch und Begegnung konzeptionell genutzt werden kann, etwa mit temporären „Speakers‘ Corner“, Gedichtlesungen um öffentlichen Raum u.a.m.

Historisch ist der Platz als ehemaliger Wohnort Heinrich Heines (1827/28 im Palais Rechberg) geprägt. Zum 100. Todestag des Dichters hat der jüdische Journalist Wilhelm Herzog, der 1947 aus dem Exil zurückgekehrt war, initiiert, dass an dem Radspielerhaus eine Gedenktafel für den Dichter angebracht wurde, „die bereits im November 1956 unter Beteiligung von Bürgermeister Hieber, Kulturreferent Hohenemser, dem Stadtschulrat Dr. Fingerle und einigen Stadträten vom Initiator der Heine-Ehrung, eben Wilhelm Herzog, eingeweiht wurde; der Regisseur Hans Schweikart trug anschließend vier Gedichte Heines vor“ (https://www.literaturportal-bayern.de/gedenkorte?task=lpbplace.default&id=834).

Gestalt und Geschichte des Platzes prädestinieren ihn als Erinnerungsort. Heinrich Heine wurde später selbst Exilant und ist einer der bekanntesten deutschen Exildichter. Der zum Protestantismus konvertierte Jude Heine war auch in München Ziel antisemitischer Angriffe, wie er selbst berichtet. Neben dem Blick auf die Schicksale deutscher Exilant*innen und deren Verarbeitung in ihrer Dichtung kann auch der Bogen in die Gegenwart geschlagen werden, in der Deutschland Zufluchtsort für Dichter*innen im Exil geworden ist. Die Einbeziehung des städtischen Verwaltungsgebäudes gegenüber dem Radspielerhaus mit einer kulturell bezugnehmenden Begrünung bietet sich an. Regelmäßige kulturelle Veranstaltungen können den bisher kaum genutzten innerstädtischen Raum abrundend aufwerten zu einem wahren Platz der Exillyrik und zu einem Platz des Gedenkens an das Leben und Wirken von Heinrich Heine in München.

Fraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt
Initiative:
Dr. Florian Roth
Mona Fuchs
Paul Bickelbacher
Gudrun Lux
Sofie Langmeier
Florian Schönemann
Christian Smolka
Felix Sproll
Angelika Pilz-Strasser
Nimet Gökmenoğlu
Mitglieder des Stadtrates