München gut zu Fuß II – Weitere Schritte mit fußgängerfreundlichen Straßenräumen zu einer lebenswerten Stadt

Antrag
München gut zu Fuß II –
Weitere Schritte mit fußgängerfreundlichen Straßenräumen zu einer lebenswerten Stadt

Der Stadtrat möge beschließen:

1. Die Landeshauptstadt München weitet die Fußgängerzone in der Innenstadt aus und gestaltet sehr wenig befahrene Altstadtstraßen als Mischflächen mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit (Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr auf gleicher Fläche).

2. Die Landeshauptstadt München führt insbesondere in den Innenstadtrandgebieten Projekte zur Förderung der Nahmobilität durch.

3. Die Landeshauptstadt München gestaltet im Rahmen eines Pilotprojektes ein Neubaugebiet optimal für die Nahmobilität und möglichst autofrei.

4. Die Landeshauptstadt München fördert ihre Stadtteil- und Quartierszentren mit Hilfe eines fußgängerfreundlichen Umfeldes.

5. Die Landeshauptstadt München und die MVG überprüfen sukzessive zusammen mit den Bezirksausschüssen und interessierten Bürgern die Zugänge zu den Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs und entwickeln/beheben sukzessive die Mängel bei unattraktiven Zugängen/Querungen.

6. Die Landeshauptsstadt München verbessert beengte Seitenräume mit höherem Fußgängeraufkommen, indem der Radverkehr vermehrt auf Rad- und Angebotsstreifen geführt wird und der Gehsteig seine frühere Breite wieder erhält.

Begründung:

Neben Rad- und Öffentlichem Verkehr ist der Fußverkehr ein – häufig unterschätzter – Bestandteil stadtverträglicher Mobilität. Dabei legen die Münchnerinnen und Münchner 28 % ihrer Wege zu Fuß zurück. Das Zufußgehen ist die Form der Mobilität, die am wenigsten Menschen aufgrund von sozialen/finanziellen oder körperlichen Einschränkungen ausschließt. Nur eine fußgängerfreundliche Stadt ist wirklich eine kinderfreundliche Stadt und wird gleichzeitig dem demographischen Wandel mit der Zunahme von Seniorinnen und Senioren gerecht. Das Zufußgehen belebt die Stadt und ist auf kurzen Strecken geeignet überlastete öffentliche Verkehrsmittel zu entlasten. Im Wettbewerb der europäischen Metropolen nehmen attraktive öffentliche Räume und fußgängerfreundliche Verkehrsplanung einen zunehmend größeren Stellenwert ein. Kopenhagen, Zürich, Barcelona und London sind Vorreiter. Das Zufußgehen ist gesund. Eine halbe Stunde zügiges Gehen am Tag hält – wie das Radfahren – auch weniger Sportliche fit, unterstützt das Wohlbefinden und verlängert das Leben im Mittel um fünf Jahre.

Zu 1: München braucht in der Innenstadt mehr Fußgängerzonen, am besten in Form eines weitgehenden flächendeckenden Netzes, um die Fußgängerströme zu entzerren. Als nächste Schritte bieten sich die Sendlinger Straße, die Residenz-/ Dienerstraße (Residenzstraße südlich des Max-Josephs-Platzes) und nach dem Umbau des Altstadtringtunnels die Brienner Straße zwischen Salvatorplatz und Odeonsplatz an (letztere beiden Vorschläge mit Zulassung des Radverkehrs). Die Ausweisung von Mischflächen und die entsprechende Gestaltung der Straßenräume in wenig befahrenen Altstadtstraßen hat den Vorteil, dass den Fußgängern in der Regel mehr Fläche zur Verfügung steht als auf den häufig sehr schmalen Gehsteigen.

Zu 2: Nahmobilitätsprojekte nach dem Vorbild des Stadtviertelkonzepts Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt fördern gleichzeitig den Fuß- und Radverkehr sowie den Zugang zum Öffentlichen Verkehr unter Beteiligung der Bürger. Die Stadt München hat für das genannte Pilotprojekt bereits mehrere Auszeichnungen erhalten (u.a. den Deutschen Verkehrsplanungspreis) und europaweit Interesse erweckt. Es sollte in verschlankter Form auf weitere Innenstadtrandgebiete übertragen werden, da dort der größte Effekt erzielt werden kann..

Zu 3: Gerade in einem Neubaugebiet können die räumliche Anordnung der Nutzungen, die Mischung der Funktionen und die Belange des Fuß- und Radverkehrs optimal berücksichtigt werden. Hier ist besonders die Umfeldsensibilität der Fußgänger von Bedeutung, die entsprechend abwechslungsreiche Straßenräume und Fassaden erfordert. Optimal für die Nahmobilität wäre ein weitgehend autofreies Quartier.

Zu 4: Die im Zentrenkonzept der LH München definierten Stadtteil- und Quartierszentren dienen in großem Maße der Nahversorgung. Diese Funktion soll durch die fußgängerfreundliche Gestaltung des nahen Umfeldes gemäß der Zielsetzung des Verkehrsentwicklungsplans (Plan 7) gestärkt werden.

Zu 5: Der weitaus größte Teil der Fahrgäste im Öffentlichen Verkehr gelangt zu Fuß zur Haltestelle bzw. zur S- oder U-Bahn-Station. Nicht alle Zugänge, insbesondere diejenigen aus früheren Jahren stammenden, sind optimal. In Zusammenarbeit mit Bezirksauschüssen und interessierten Bürgern können hier Haltestellen mit unbefriedigenden Zugängen identifiziert und ggf. sofort oder im Rahmen eines anstehenden Straßenumbaus verbessert werden.

Zu 6: In vielen Straßenräumen wurden schmale Radwege neben schmalen Gehwegen abmarkiert oder baulich angelegt. Fußgänger haben dann nur noch wenig Platz. Der Komfort wird durch zügig fahrende Radfahrer eingeschränkt. Sofern möglich und machbar, sind die zügig fahrenden Radfahrer auf der Fahrbahn – bei Bedarf geschützt durch Rad- oder Schutzstreifen – besser aufgehoben, und kommen dort auch besser voran. Auf diese Weise kann mit einer Maßnahme sowohl die Situation für den Fuß- als auch für den Radverkehr verbessert werden.

Fraktion Die Grünen – rosa liste
Initiative:
Paul Bickelbacher
Sabine Nallinger