Pressemitteilung | 03.10.2025

K.o.-Tropfen: Fälle erkennen – Frauen besser schützen

Sechs Verdachtsfälle von K.o.-Tropfen gibt es heuer bereits auf der Wiesn – und das sind nur die bekannten Fälle. Viele bleiben unentdeckt. Das muss sich ändern, sagt die Fraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt und fordert K.o.-Tropfen-Screenings im Wiesnsanitätszentrum.

Frauen müssen auf der Wiesn sicher feiern können. Doch auch dieses Jahr berichtet die Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen*“ von Verdachtsfällen, bei denen Besucherinnen K.o.-Mittel verabreicht worden sein könnten. Doch im Wiesn-Sanitätszentrum ist Drogenscreening derzeit noch nicht möglich. Das ist ein Problem: Denn je nach Substanz kann der Nachweis im Blut schon nach sechs Stunden schwierig werden. Laut Ärztezeitung gibt es mehr als 30 Substanzen, die das Bewusstsein trüben und Erinnerungsprobleme verursachen[1]. Frauen bleiben mit einem Unsicherheitsgefühl zurück, sie haben keinen Beweis dafür, was ihnen angetan wurde. Ein fehlender Test erschwert zudem die Strafverfolgung.

Die Fraktion will erreichen, dass Patient*innen des Wiesnsanitätszentrums künftig eine geeignete Probe entnommen werden kann, wenn der Verdacht besteht, dass ihr K.o.-Tropfen in das Getränk gemischt wurden. Bei bewusstlosen Wiesnbesucherinnen erfordert das, dass das medizinische Personal entsprechend sensibilisiert und geschult wird und eine Ärzt*in die Entnahme zum Wohle der Patient*in anordnet. Außerdem muss das Screening rechtssicher dokumentiert werden, um bei einem späteren juristischen Verfahren verwendet werden zu können. Das schließt die Lücke zwischen medizinischer Erstversorgung, Opferschutz und Strafverfolgung.

Anja Berger, Wiesnstadträtin: „Wir wollen eine sichere Wiesn für alle Frauen. Jeder der sechs Verdachtsfälle auf K.o.-Tropfen ist einer zu viel. Für Frauen bedeutet es eine enorme zusätzliche Belastung, sich gar nicht mehr, oder nur noch verschwommen erinnern zu können. Das Mindeste, was wir tun können, ist sicherzustellen, dass Spuren rechtzeitig gesichert werden und so eine effektive Strafverfolgung erst möglich wird. Bei K.o.-Tropfen ist das ein Wettlauf gegen die Zeit. Deswegen brauchen wir das schnelle Drogenscreening gleich im Sanitätszelt. Damit zeigen wir: Wir schauen nicht weg, sondern wir handeln entschlossen!“

Jasmin Barnes, stellvertretende Vorsitzende KO – kein Opfer e.V.: „Die Forderung nach einem verpflichtenden Screening auf K.o.-Tropfen ist absolut richtig und notwendig. Sie stellt einen wichtigen Schritt für mehr Sicherheit und Opferschutz auf der Wiesn dar und schließt endlich die gefährliche Lücke zwischen medizinischer Erstversorgung und Strafverfolgung. Wir appellieren an den Stadtrat, diesen Vorstoß entschlossen umzusetzen. München darf hier nicht zögern, sondern muss jetzt Verantwortung für den Schutz aller Besucher*innen übernehmen.“


[1] https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Verdacht-auf-KO-Tropfen-Dann-sollten-Aerzte-rasch-Blut-Urin-und-Haare-analysieren-355120.html